Mama Schussel-Ich

Mama Stress

 

Es gibt ja Dinge, da denkt man gern, dass die ganz sicher nur den andern passieren! Um dann ein bisschen später eines besseren belehrt zu werden… Das trifft auf mich nur bedingt zu. In meinem Fall müsste ich eigentlich immer davon ausgehen, dass es mir passieren wird! Was es auch tut.

Schlüssel im Auto vergessen und dann die Tür abgeriegelt zuhauen? Kein Problem. Ist euch auch schon passiert?! Ha… aber nicht dreimal an einem Vormittag! Mir schon.

Ich war schon als Kind ein klassisches Schusselchen. Gerade laufen könnend in eine Wanne mit heißem Wasser geplumpst. Irgendwo Tabletten entdeckt und gedacht, diese probieren zu müssen. Das beste T-Shirt dreckig. Immer. Gerade etwas gefunden. Wieder weg. Immer. Lockenstab ausprobiert und diesen dann wieder mühsam aus den Haaren geschnitten. Beim Blinde-Kuh spielen über das einizige winzige Hinderniss im Hof gestolpert und eine rießen Platzwunde davongetragen. Im Zug vor Träumen die richtige Station verpasst und 1,5 Stunden weiter in die falsche Richtung gefahren. Beim Kirschenklauen gerade in den Garten eingestiegen, bei dem jemand daheim ist…

Ich habe mich dran gewöhnt so zu sein. Ich mag es sogar. Jedenfalls die meiste Zeit. Es hilft mir, über mich selbst zu lachen. Ich muss nie perfekt sein. Manchmal ärgert es mich aber doch. Wenn ich hochschwanger, einem Wal ähnlich, mit voller Wucht von einer Relaxliege klatsche. So heftig, dass wir erst mal ins Krankenhaus fahren müssen. Ich es immer wieder schaffe, wichtige Termine nur unter Schweißausbrüchen und Schwindelattacken zu erreichen. Weil ich mal wieder irgendeine wichtige Unterlage suche. Sich die kleine Lady immer dann in die Hose macht, wenn ich ganz sicher keine Wechselhose dabei habe. Oder ich großzügig meine Freundin zum Essen einlade. Dann nachts alleine im Parkhaus stehe und mir bei 4,40 Euro, genau 40 Cent fehlen, um mein Ticket zu zahlen. Oder ich ganz stolz meine gesunden Schüsselchen für den Spielplatz mit Äpfeln und Rosinen gefüllt habe, um sie dann an irgendeinem ganz verrückten Ort im Haus zu vergessen.

Allerdings hatte ich (oft) Glück dabei! Schussel scheinen immer einen kleinen Schutzengel zu haben 😉 Es blieb bei 3 Platzwunden, Verbrennungen, Magen auspumpen, gebrochenem Arm, ein paar Standpauken… fast alle Organe sind noch intakt. (Die fehlenden 40 Cent hab ich übrigens in den Untiefen meiner Handtasche zwischen Traubenzucker, Brezelkrümeln und Pixie-Büchern gefunden. So etwas passiert dir nur in einer Schusselhandtasche.)

Warum ich euch diesen ganzen Kram so erzähle?! Es ist wegen gestern. Gestern war es mal wieder soweit. Ich habe die kleine Lady in die Krippe gebracht. Zu spät. Weil ich vergessen hatte, dass ich ja das Auto mit Kindersitz nicht habe. Also mit dem Rad fahre. Aber das nur am Rande… Abgehetzt in der Krippe, suche ich im Schuhregal ihre Hausschuhe. Sind mal wieder weg! Typisch. Und da kann ich mal garnichts dafür. Wir laufen also mit Sandalen rein. Ich finde die Hausschuhe drin. Puh. Ups jetzt nur nicht beim Rausgehen die Sandalen innen liegen lassen. Die müssen ja raus ins Schuhregal vor der Krippen-Eingangstür. Ich bin ziemlich stolz auf mich in diesem Moment. Beschwingt radel ich nach Hause und dann auf die Arbeit.

Später ruft der Herr Papa an. Warum hast du denn die Kleine ohne Schuhe in die Krippe gebracht?! Fragt er doch tatsächlich! Ich frage ihn daraufhin, ob er noch ganz dicht ist! Ich habe ihr doch die orange-roten Sandalen angezogen. Aber die waren da nicht, meint er. Alle hätten den ganzen Tag ihre Schuhe gesucht. Na also. Das gibts doch garnicht. Denke ich ganz aufgeräumt. Hab sie doch extra mit raus zum Schuhregal! Hm… Moment… ratter…klick…Schweißausbruch…Schwindel… Raus ja. Vielleicht, nur vielleicht, hatte ich sie doch nicht etwa mit heim genommen?

Ja. Was soll ich sagen? Ich habe sie am Abend nach der Arbeit in meinem Fahrradkorb gefunden. Na und?

Tschüßle sagt Nadja… ob Schussel-Sein vererbbar ist?

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Mama im Hamsterrad

Hallo ihr Lieben,

wie schnell hat einen der Alltag nach unserm kleinen Ski-Trip wieder… Mama auf Arbeit… Kind wird krank… Chaos… Panikanruf bei Omi… Omi kann nicht… Panik… Anruf Omi kann doch… Licht am Ende des Tunnels… schnell noch zu Hause Essen gekocht… Omi da… schnell auf Arbeit… Chaos… wieder zu Hause… Chaos… Chaos… Chaos…

An Tagen wie diesen komme ich mir vor wie ein ganz kleiner Hamster in einem ganz großen Riesenhamsterrad! Und ich frage mich grade mal wieder wie ich da rein gekommen bin?! Oder besser, wie ich da wieder raus komme…

Letztens laß ich einen Artikel über die ständige Unzufriedenheit der heutigen Mütter, die im Grunde hausgemacht wäre. Wir wollen (sollen) heute alles sein. Mama, Sexgöttin, Haushaltsperle, berufstätig, schlank, schlau, schön, eigenständig, flexibel, selbstverwirklicht, entspannt… Und können es nicht. Und das macht uns sauer. Mich jedenfalls. Weil ich es nicht verstehe. Eigentlich will ich das doch garnicht alles?! Oder doch? Eigentlich will ich doch nur glücklich sein. Und das mein Kind glücklich ist. Und der Rest der Familie, der Mann, der Hund, Tante, Onkel, meine beste Freundin, der Postbote… Es geht schon wieder los! Warum fühle ich mich dazu berufen, alles zu richten? Alles muss unter einen Hut, auch wenn einem darunter der Kopf platzt?

Früher ging das doch auch! Sagen mir die alten Damen. Da hat sich keine Mutter mit  nur einem Kind beschwert. Man hatte mindestens zwei. Besser drei oder vier. Der Haushalt war gemacht. Der Mann glücklich. Die Kinder sauber. Und dabei war ja alles früher viel schwerer. Da gab es keine Krippe und auch kein Kindergeld. Aber es gab auch keine Rolle der Frau, wie es sie heute gibt. Keine blöde Medien, die einem allem Mist in den Kopf kacken. Da gab es noch die „böse“ Rabenmutter, die ihre Kinder allein lässt. Jetzt wird man schon mitleidig angeschaut, wenn man „nur“ Mama ist!

Vielleicht haben wir es ja garnicht schwer heute. Und machen es uns nur selber schwer. Ich habe mein Abi nachgeholt und studiert. Und ich habe Bafög zurückzahlen müssen. Jede Menge. Also muss ich arbeiten. Mit Kleinkind. Und Haus. Und Hund. Natürlich könnte ich auch zu Hause bleiben! Dann wäre es sauberer und in meinem Kopf leerer. In unseren Geldbeuteln auch klar. Aber wir würden überleben, so ist es nicht… Ich liebe mein Mädchen über alles und möchte ihr so vieles bieten. Wir gehen zum Musikgarten, Kinderturnen, Fasching, Indoorspielplätzen, Spielgruppen und verbringen jede freie Minute miteinander. Keine Sekunde kann und will ich verpassen. Wir kriegen oft Besuch. Was schön ist. Aber da will man ja nun auch keinen Dreckstall präsentieren. Schön frisch muss alles aussehen. Nicht wie gerade geputzt. Gerade mal so hingewischt. Kein Problem, wenn da der Hund grade mal hingekotzt hat. Wisch ich mal eben mit weg, Schatz! Kochen? Logisch! Am besten jeden Tag! Frisch, versteht sich! Naja und dann komm ja dann auch noch „ich“. Also Freizeit, Tanzen, Singen im Auto, Schoppen (gibt nix entspannenderes), mal was lesen, gar nix tun. Gibts das eigentlich noch? Nichtstun…

Ich weiß nicht. Irgendwas mach ich falsch, denk ich mir. Bei den anderen geht das doch auch und du muffelst hier rum?! Stimmt aber nicht! Bei den anderen gehts auch nicht! So schön lesen sich die Blogeinträge von Mamas die wie ich empfinden. Wie tröstlich sind die ehrlichen Mama-Gespräche, bei denen nicht nur die „Zott-Weekend-Feeling-Familienstory“ erzählt wird. Da gibt es auch Frust. Und man heult auch mal, weil einem alles zu viel wird. Und es ist viel! Und das Kind spielt auch mal Kinderspiele am Computer. Und es kriegt auch mal Schokolade wenn man mal kurz Ruhe haben will. Und Mama und Papa haben sich auch nicht immer lieb. Und nein, es ist nicht abends das ganz Spielzeug fein säuberlich dahin geräumt, wo es gehört. Wir Mamas werden ehrlicher. Zu uns selbst. Und zu anderen. Endlich. Vielleicht ein erster Schritt raus aus dem Hamsterrad…

Strampelt heute nicht mehr zu lange!Kind, Freiheit

Eure Nadja